Filmkritik “Invictus – Unbezwungen” von Redford + Trailer
12. Februar 2010 von Martin Wolkner
Kategorie: Allgemein, Film
“Invictus – Unbezwungen” von Robert Redford mit Morgan Freeman und Matt Damon, ab 18.02.2010 im Kino

- Invictus – Unbezwungen, Plakat © Warner
Bundesstart: 18.02.2010
Genre: Filmbiographie, Sport-Drama
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Morgan Freeman, Matt Damon, Julian Lewis Jones, Tony Kgoroge, Brenda Mazibuko
Bewertung: Gut gespielt von Freeman; etwas einseitig und melodramatisch; Rugby nicht wirklich interessant und zu ausgedehnt inszeniert; Ende stark vorhersehbar (auch wenn Historie unbekannt); keine besondere Spannung; ansprechende afrikanische Musik.
Den Soundtrack von “Invictus” gibt es auch bei Musicload.de
Inhalt: Am Sonntag, den 11.02.1990, um 15 Uhr wird der Gefangene 46664 in die Freiheit entlassen: Nelson Rolihlahla Mandela, der Freiheitskämpfer, der 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte. Sogleich beginnt er seine Friedensarbeit der Versöhnung, um der Apartheid Südafrikas endlich ein Ende zu setzen. In der ersten freien und demokratischen Wahl wird Mandela 1994 zum Präsidenten Südafrikas gewählt.
Der Politiker Mandela beschäftigt sich viel mit Rugby, denn ein Jahr nach seiner Wahl wird die Rugby-WM in Südafrika ausgetragen. Die schwarze Bevölkerung möchte die Nationalmannschaft, die Springboks, auflösen, weil sie ein Symbol der Apartheid ist. Doch Mandela setzt sich weiterhin öffentlich für seinen Versöhnungskurs ein. Er nimmt Kontakt mit François Pienaar auf, dem Kapitän des Teams, denn Mandela hofft, dass die verbindende Kraft des Sports sein Land vereinen kann, wenn die Springboks die WM gewinnen.

Invictus - Unbezwungen mit Matt Damon (Mitte) © Warner
Kritik: Über den Friedensnobelpreisträger Mandela, dessen Clanname Madiba lautet, wurden bislang nur sehr wenige Kinofilme gedreht (“Goodbye Bafana”, “Endgame”, “Drum”). Nun hat sich der vierfache Oscar-Preisträger Clint Eastwood (“Gran Torino”, “Million Dollar Baby”, “In the Line of Fire”, “Dirty Harry”), seiner Geschichte angenommen – diesmal nur als Produzent und Regisseur. Das Drehbuch stammt von Anthony Peckham (“Sherlock Holmes”) nach der Biographie von John Carlin.
Es stimmt gewiss mit den Tatsachen überein, dass Mandela sich stark dafür eingesetzt hat, dass das Team Springboks bestehen blieb und durch eine Versöhnungstour durch Südafrika an Zuspruch durch die lange Zeit unterdrückte schwarze Bevölkerung gewann. Dennoch vermittelt die Erzählung den Eindruck, dass er sich kaum um etwas anderes so stark gekümmert hat als um die Politisierung des Sports, was natürlich überhaupt nicht der Fall war.
Der Wechsel zwischen den Personen wirkt etwas unausgewogen. Zu Anfang liegt das Augenmerk auf den Sicherheitsleuten. Ihre Abneigung füreinander wird als Stellvertreter für die Apartheid nervend lang dargestellt. Im weiteren Verlauf des Films werden diesem Konflikt und seiner Klärung aber kaum die emotionale Tiefe gegeben, die sie anfangs zu haben scheinen. Mit ein paar wenigen langweiligen Gesten wird die Annäherung der schwarzen und weißen Sicherheitsmänner nur noch beiläufig dokumentiert – und hat dabei etwas Trivialisierendes.
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Invictus - Unbezwungen mit Morgan Freeman (Mitte) © Warner
Auch das Hin und Her zwischen Mandela und Teamkapitän Pienaar ist recht diplomatisch nüchtern. Es fehlt insgesamt die emotionale Note. Die kommen zwar teilweise, aber das reicht nicht. Beispielsweise macht der Besuch der Gefängnisinsel Robben Island, auf der Mandela über zwei Jahrzehnte politischer Gefangener war, eher betroffen. Der Film ist möglicherweise ideal als Geschichtsschulfilm, aber ein ansprechendes Drama ist der Film nicht.Die ausgedehnten Sportszenen, in denen sich die Rugbyspieler immer wieder zu einem Menschenhaufen aufeinanderwerfen, sind alles andere als spannend oder abwechslungsreich inszeniert.
Zwar liefert Morgan Freeman eine gute schauspielerische Leistung – Damon ist eher mittelmäßig in diesem Film – , doch ist “Invictus” kein gutes Sportdrama. Wer ein richtig gutes Sportdrama sehen möchte, dem sei “Blind Side – Die große Chance” mit Sandra Bullock empfohlen, welches am 25.03.10 startet. Auch zu empfehlen ist die Sportdramödie “Gegen jede Regel” (2000) mit Denzel Washington, die das Überkommen der Rassentrennung in den USA thematisiert.
Fazit: “Invictus” ist kein besonderer Film. Der Sport ist langweilig und das Zwischenmenschliche recht nüchtern. Die wirklichen Konflikte werden geflissentlich umgangen. Insgesamt wirkt der Film zu gefällig und glattgebügelt. Dennoch wird möglicherweise Freeman einen Oscar für seine Rolle gewinnen, um indirekt Mandela zu ehren.
